Manchester by the Sea

manchester-by-the-sea-2016-film-rcm0x1920uBild: Universal

„And the Oscar goes to…“ – Ich werde nicht alle Oscar-Favoriten dieses Jahres sehen. Ich werde in diesem Jahr nicht einmal die Oscars sehen. That’s employment for you. Aber für mich ist es nur schwer denkbar, dass irgendeiner der nominierten Filme mich mehr überzeugen und beeindrucken könnte als Manchester by the Sea.
Es gab in den letzten Jahren viele Filme, denen man einen realistischeren Umgang mit Liebesbeziehungen attestieren konnte, als es bis dato Usus in Hollywood war. Interessanterweise spielte auch in solchen Filmen Michelle Williams mit. Zugegebenermaßen ist ihre Rolle in diesem Film fast komplett zu vernachlässigen. Dafür erstreckt sich der lack of Zauber und Zuckerguss hier über die Liebesbeziehung auf zwischenmenschliche Beziehungen im Allgemeinen. Selten war ich froher über die Wahl eines Filmendes als hier. Selten war ich eingenommener davon, wie herrlich unsympathisch die Charaktere sich verhalten.
Manchester by the Sea ist eine schmerzhafte Schau auf die gebrochene menschliche Seele, die einen zutiefst befriedigt hinterlässt. Versteht mich nicht falsch. In diesem Film sitzt man nicht einfach nur da und verurteilt die wenig heldenhaften Männer der Stunde. Nein, die Fehler der Charaktere sind menschlich. Man fragt sich, wie man selbst handeln würde und ist beruhigt zu sehen, dass auch Hollywoodmänner von Ausnahmezuständen herausgefordert sind. Aber vor allem leidet man man dem Hauptcharakter und fragt sich, wie er überhaupt noch einen Fuß vor den anderen bekommt, wünscht sich für ihn, die Vergangenheit ändern zu können. Da steht ein quasi-lebloser Mensch vor einem, dessen Verhalten einen wegschubsen und immer wieder wegschubsen möchte. Und doch möchte man ihn nur in den Arm nehmen. Manchester by the Sea reißt das Pflaster nicht nur langsam ab. Manchester by the Sea steckt den Finger in die Wunde und buhlt genüsslich die gesamte Länge des Films darin herum. Und man kann nicht anders, als den Schmerz zu lieben.

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