xx deserved better

xx– for the english version please see below –

Zu welchem Zeitpunkt hat die Menschheit eigentlich damit begonnen, das Weibliche zu dämonisieren? Und hatten wir nicht eigentlich geglaubt, mittlerweile weiter zu sein, in einer Zeit, in der Beobachtungen wissenschaftlich fundiert zu mehr als nur vagen Gefühlen werden, und seit fast 50 Jahren für solche Erkenntnisse gekämpft wird. Die Bestrebungen, der Menschheit die Gleichheit zu geben, die ihre Existenz eigentlich vorsehen sollte, hat auch die Filmtheorie vorangebracht. Das monströse Weibliche bildet eine der Ursprungsthematiken der feministischen Filmtheorie. Ganze Bibliotheken lassen sich zu Femmes Fatales, „falschen Marias“ und Maria Magdalenas füllen. Und weil der Blick der Gesellschaft herab auf die Hälfte seiner teilhabenden Individuen ein offenes Geheimnis ist, und wir – allen Steinzeit“besorgt“parteien und Leistungsgesellschaftsanhängern, die auf „Genderwahnsinn“ schimpfen zum Trotz – in kleinen Schritten so langsam und unausweichlich (ich glaube daran, dass in der Zerstörung der Welt nicht nur unvermeidlich das sich ausbreitende und von uns vergrößerte Elend zu uns finden wird – denn wo soll es denn sonst noch hin – sondern gleichzeitig der Gesellschaft Gleichheit aufzwingen wird)  an Gerechtigkeit kratzen, muss das Thema in seiner medialen Verarbeitung mittlerweile ziemlich selbstreflexiv betrachtet werden. Es ist wie immer: Hollywood weiß was es tut; die Theorie weiß was Hollywood tut; wir wissen was Hollywood tut. Und trotzdem  rennen wir mit offenen Augen in die immer gleichen Fallen hinein. Denn mit der Selbstreflexion kommt eine neue Kreativität! Hollywood hat die starken Frauen entdeckt! Oder so…Denn genauso wie beim geheuchelten Aufruf der Oscars nach Equality gibt es hier ein Problem.

Ich habe bereits in den Kritiken angedeutet, dass mich an Gone Girl, Ex Machina, Time Lapse, Mad Max und Regression etwas geärgert hat, es auch Spoilergründen aber nie ausgesprochen. Jetzt nehme ich es einfach mal vorweg: Die neue starke Frau Hollywoods ist einfach nur ein weiterer Weg, sie zu dämonisieren. Frauen, die das Vorurteil bekräftigen, dass Vergewaltigungsopfer nur das Leben des Mannes zerstören wollen; Frauen, die sich als Kreation des Mannes gegen diesen wenden; Frauen, die ihre Unschuld dazu missbrauchen, Männer zu verraten etc. Verkauft als Charakterrolle, dargestellt als böse no matter what. Selbst in Mad Max – der Film, in dem trotz des Titels Frauen die Hauptrolle spielen – wird bei genauerem Hinsehen einiges unternommen, um Max dann doch hervorzuheben. Er hat am Ende die Entscheidungsmacht; er baut die gescheiterte und desillusionierte Frau wieder auf; er zieht sich bescheiden zurück, um den Frauen den Ruhm zu überlassen. Was ein Gentleman. Frozen dämonisiert nicht nur das Anderssein, sondern ist komplett durch männliche Impulse gesteuert. Und das, obwohl er für seine vermeintlich starken weiblichen Hauptrollen gefeiert wird.

Eine Kommilitonin widmet sich diesem Thema gerade am Beispiel einer momentan populären Fernsehserie: The 100. Die Serie verteilt die machtvollen, starken Rollen auf beide Geschlechter. Brownie Points dafür! Aber auch hier bietet ein genauerer Blick Dämpfer. Der weibliche Hauptcharakter wird über weite Strecken an einem männlichen Charakter gespiegelt. Beide übernehmen Verantwortung und beide treffen folgenschwere Entscheidungen über das Überleben in einer dystopischen Welt. Ich würde sogar sagen, dass der männliche Counterpart mittlerweile ein weitaus größerer Griff ins Klo ist, was seinen Charakter angeht. Dennoch scheint er in weiten Teilen unfehlbar zu sein. Ihm wird verziehen. Er wird geläutert. Nicht so die Protagonistin. Denn obwohl sie – im Gegensatz zu ihm – alles daran setzt ihr Fehlverhalten wiedergutzumachen – bleibt sie isoliert und wird bestraft. Denn starke Frauen gehören wohl bestraft. Starke Frauen verhalten sich wie das gesellschaftliche Stereotyp Mann und werden dafür gleichzeitig gefeiert – oder besser gesagt, die Macher werden für ihre Traute und ihren Bruch der gesellschaftlichen Normen gefeiert – und gescholten. Im Fall von The 100 nimmt das Ganze noch problematischere Züge an, denn die weibliche Hauptrolle ist bisexuell, woraus eine Love Triangle entsteht, die sich natürlich zwischen einer möglichen Beziehung zu einer Frau oder zu einem Mann – zu welchem dürftet ihr unschwer erraten – niederschlägt. Und hier spoilere ich erneut for the greater good: Die Frau gewinnt ihr Herz. Die Frau ist eine mächtige Stammesführerin, die verfeindete Gruppierungen unter sich vereint hat und Rache als politisches Prinzip entgegenzuarbeiten versucht. Wenn schon starke Frauen in „Männerrollen“ bestraft werden, was passiert dann wohl mit nicht-heterosexuellen Frauen in diesen Positionen? Richtig, sie sterben! Bevorzugt 5 Minuten, nachdem sie nach langem Hinauszögern in ihrer Liebe vereint sind. Noch bevorzugter, wenn Sex dabei eine Rolle gespielt hat. Queerbaiting und Lesbian Death Trope nennt man das in Fachkreisen. Man schreibt eine solche Rolle, nutzt das Engagement und den Hunger nach Repräsentation der LGBTQI* community, arbeitet auf eine entscheidende Entwicklung des Charakters hin… und tötet diesen genau nach dem Moment, in dem im Positives widerfährt. Man sagt also: Wir nehmen gerne eure Hilfe, um die Quoten zu steigern und die Serie populärer zu machen, aber wir sind homophob und wollen euch leiden sehen. Im Fall von The 100 führt das jetzt erstmals zu einem riesigen Backlash (Lexa deserved better), der hoffentlich bei Drehbuchschreiberlingen Eindruck hinterlassen, aber wohl nichts an der Argumentation ändern wird, dass doch auch andauernd heterosexuelle Charakter sterben, so what. Blöd nur, dass es an jeder Ecke Trilliarden solcher Charaktere gibt, aber von den wenigen nicht-heterosexuellen die meisten sterben. In diesem Jahr übrigens bereits 8 lesbische/bisexuelle Charaktere. Ja, Hollywood liebt seine Frauen.

At which point did society start to demonize women? Haven’t we moved past that by now in a time in which science proves mere feelings about something being wrong to be evidential? After having fought for recognition for 50 years? Trying to give humanity the equality it deserves also brought film theory advances. Female monstrosity is one of the earliest topics of feminist film theory. Whole libraries could be filled with books about femmes fatales , faux Marias and Mary Magdalenes. And since it’s an open secret how society looks down on half of its members and we seem to slowly and inescapably (I believe that in destroying the earth with our lifestyle global suffering will come and join us in our part of the world since we have created most of it but will also force equality on us)  nibble away at inequality – despite populist parties trying to take us back by decades and meritocracy fangirls hating on „gender“ as a waste of time – by now the portrayal of said topic in the media needs to be observed in forms of self reflexion. It’s the same old story: Hollywood knows what it’s doing; film theory knows what Hollywood is doing; we know what Hollywood is doing. And still we run into the same trap again and again. Because with self reflexion there comes new creativity. Hollywood discovered the strong woman! Or has it? Because just like with the Oscar’s hypocritical call for equality there’s something rotten here.

When writing about Gone Girl, Ex Machina, Time Lapse, Mad Max and Regression I already expressed that there was something bothering me about those films but never got into detail about what I actually meant. This time I’ll tell you upfront: The new strong woman of Hollywood os just another way of demonizing her. Women, who justify the stereotype of rape victims only trying  to destroy a man’s life; women, created by men, only to turn onto them and kill them; women who use their innocence to betray men etc. Sold as a deep role, presented as bad, no matter what. Even Mad Max – the film that despite its title features female leads – doesn’t fit the bill on a closer look. In the end Max saves the day, makes the right decision, saves the disenchanted woman und humbly steps back out of the spotlight, handing her the fame. Such a gentleman. Frozen does not only demonize being different but solely relies on male impulses. Yet it is praised for its supposedly strong female leads.

A fellow student is working on the topic in lights of a recent popular TV series: The 100. This series equally presents female and male characters as powerful. Brownie points for that! But yet this only stands when looking at it superficially. The female lead is mostly mirrored by a male counterpart. Both step up to be leaders, both take responsibility and make fatal decisions to survive in a dystopian world. Right now I would call the male character to be by far the bigger cause for bad developments. But still he is mostly presented as infallible. He’s forgiven. He’s purified. That cannot be said in the case of the female lead, who – contrary to the male character – is doing everything to make up for her faults and still isolated and punished. Strong women need to be punished it seems. Strong women act like society’s stereotypical idea of a man and at the same time are praised – or rather, the writers are praised for their bold step to defy given norms – and scolded. In the case of The 100 this leads to even more troublesome circumstances. The female lead identifies as bisexual, which ist of course build up into a love triangle consisting of a possible male (no need to guess who’s the lucky guy) and female love interest. And again I will use a spoiler for the greater good: The female love interest is the winner of her heart. She’s a powerful commander who has united several clans and tries to fight revenge as a political principle. If strong women are punished for acting like „men“, what ever will happen to non-heterosexual women in this position? They’re killed off of course! Preferably five minutes after finally getting together with their loved ones. Even more so if there’s sex involved. This is called queer baiting and the lesbian death trope. Creating such a character, using the dedication and hunger for representation of the lgbtqi* community, working towards a major progress of character…..and then killing said character right when something positive happens to them. It’s like saying: We very well will take your help to make this show popular and raise the ratings, but we are a bunch of homophobes and want you to suffer. In the case of The 100 this has led to major backlash (Lexa deserved better) which hopefully will leave an impression on writers, even though it will less likely keep people from arguing that tons of heterosexual characters are killed off, so what. Too bad there are trillions of those characters presented on TV but most of the few non-heterosexual ones have to die. So far this year eight lesbian/bisexual characters were killed. Yes, Hollywood sure loves its women.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s