The Big Short

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Wenn man hört, wie Menschen von einem Film über die Finanzkrise schwärmen, rechnet man schnell mit einem vor Pathos und Opfermythen strotzenden moralischen Schwung mit dem Baseballschläger. Wie auch sonst sollte man dieses Thema verhandeln, wenn 99,9% der Weltbevölkerung kein Wort dieser hoch expertokratischen Sprache verstehen würden. Und hier kommt die Brillanz von The Big Short ins Spiel. Der Film holt sein Publikum dort ab, wo es steht: Fassungslos und verständnislos vor einem Labyrinth. Und das geschieht auf äußerst kreative Weise. Wo Freeze Frames und Einblendungen von Definitionen wie aus dem Lexikon abgedruckt hilfreich aber konservativ wirken, wird es spätestens bei folgendem Trick liebenswert abgedreht: Ein Finanzprodukt klingt zu kompliziert? Lasst es uns durch einen Promi erklären! Da wird dann z.B. zu einem Starkoch geschnitten, der anhand von aus Fischresten des Vortages gekochtem Eintopf erläutert, wie Banken uninteressante Fonds bündeln, um diese dann als neue Produkte attraktiver zu machen. Großartig! Möglich wird das erst durch das Durchbrechen der vierten Wand. Wie in The Office richten sich die Darsteller teilweise an das Publikum selbst, und klären so z.B. auf, wenn der Film aus erzählerischen Gründen Tatsachen anders darstellt. Großartig! Garniert mit einem Voice Over einer der Charakter, ergibt dies ein Potpourri an filmischen Kniffen, die aus einem abschreckend überfordernden, trockenen und zu realistischen Thema Unterhaltung und Belehrung zugleich machen. Dabei kommt das Resultat nicht als total verrückte Komödie rüber – dazu bildet genug des Films weiterhin ganz konservatives Erzählkino – sondern schafft, neben dem spielerischen Erklären, eine kontrollierende Beobachterposition für das Publikum. Man fühlt sich, durch die Kameraführung und direkte Ansprache, trotz aller ulkiger Umsetzung, dem Thema und Geschehen gewappneter. Es entsteht die passende Mischung aus Konfrontation und Milderung, indem der Film weniger sich selbst, sondern seine Rezipienten ernst nimmt. Was angesichts des Bekannten Ausgangs dieser wahren Begebenheiten nur hilfreich sein kann. Und da kommt dann natürlich trotzdem etwas der moralische Baseballschläger zum Einsatz. Aber großartig!

 

 

 

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