Victoria

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Mit einiger Verspätung. Ich hab’s damals nach dem Kinobesuch einfach zeitlich nicht geschafft, etwas hierzu zu schreiben. Aber gerade habe ich mein Gedächtnis per Home Entertainment aufgefrischt. Victoria ist ein Film, der auf den Körper geht. Wieder mal etwas, das verdeutlicht, wie Filme körperlich affizieren. Das macht schon der Anfang mit seinen Technobeats und Strobos klar. Und auch der schnittlose Dreh kann dem Publikum körperlich etwas abfordern. So waren einige Leute in meinem Umfeld auch tatsächlich in dieser Form überfordert. Dabei tut der Film auch einiges dafür, uns zwischendurch immer mal wieder zur Entspannung zu bringen. Indem das Geschehen nur auf der Tonebene stattfindet und die Kamera auf der Nahaufnahme eines Charakters verharrt. Indem die Tonspur des Geschehens aussetzt und wir stattdessen unpassend wirkende zarte Klaviertöne hören. Das sorgt durchaus auch für eine gewisse Melancholie, von der man zu diesen Zeitpunkten noch gar nicht richtig weiß, woher sie kommt und was man damit anfangen soll. Später wird es dann umso klarer und macht das Zuschauen umso schmerzhafter. Dabei saugt einen der Film von Anfang an ein, nicht nur wegen der schnittlosen Kamerafahrt, sondern auch wegen der atemlosen  improvisierten Dialoge, die dementsprechend authentisch rüberkommen. Ohne Pause weiter und weiter, alle labern durcheinander, immer in Bewegung, ruhelos. Bis auf die wenigen melancholischen Momente, die gleichzeitig entspannen, die letzte Möglichkeit zum Luftholen geben und das Herz in falscher Ruhe wiegen lassen. Und man merkt gar nicht, wie man gemeinsam mit den Charakteren in den Abwärtsstrudel gerät. Hier und da gibt es unheilvolle Zeichen, die einen stutzig machen und Böses ahnen lassen. Aber irgendwann wird einem klar, wie ausweglos die Situation geworden ist. Kein Stecken des großen Zehs in das verlockende Böse, aus dem man mit ein paar Schrammen entkommen kann und genügend für seine Neugierde bestraft wurde. Stattdessen einfach wirklich reale Scheiße, die einen überfordert und außerhalb der eigenen Macht liegt. Und dabei fing der Tag doch ganz normal an und man hat nur die falschen Leute getroffen. Oder eben die richtigen. Je nach Betrachtungsweise. So zerbrechlich ist alles. Bruchteile von Sekunden, die alles verändern. So wirkungsvoll wie 2 1/4 Stunden Film von der Sorte wie Victoria.

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