Into the Woods

INTO THE WOODS

Once upon a time in a far-off kingdom there lay a small village at the edge of the woods. And in this village lived a young maiden, a care-free young lad and a childless baker with his wife.

Ich komme gerade aus dem Kino und habe einen Ohrwurm aus Sweeney Todd. Das liegt daran, dass der kleine Gavroche aus Les Misérables in Into the Woods den Bohnenkletterer Jack/Hans spielt und seine Stimme mich unheimlich an die von Ed Sanders erinnert. Dem kleinen Jungen aus…richtig, Sweeney Todd. Aber genug des slightly off topic Vorgeplänkels.

Was erwartet man von einem Disney Märchen-Musical mit Starbesetzung als jemand, dessen Filmkonsum sich über die Grenzen des Marveluniversums erstreckt? Nicht viel. Aaaaaber Anna Kendrick spielt mit und ich mag ja so Harmoniegesangszeugs (beim Vorab-Trailer zu Pitch Perfect 2 bin ich aus dem Quietschen nicht rausgekommen. Wann ist endlich Mitte Mai?) und ich war bei dem ganzen tumblr-Trubel doch etwas neugierig. Also rein da. Und bevor es ans Eingemachte geht, hier eine erste lockerere Beobachtung zum Warmwerden: Es erinnerte mich vom Musicaleinsatz an Musical-Folgen in Fernsehserien. Allen voran Buffys Once More, with Feeling. Und auch wenn es zu Beginn so wirkt, als würde Les Misérables-mäßig zu 99% gesungen, gibt es im letzten Akt einen Moment, in dem Meryl Streep in Gesang ausbricht und man denkt: Ach ja, das gab’s ja auch noch. Und ich sage letzter Akt, aber eigentlich hat der Film zwei Teile. Die erste Geschichte mit dem Happily Ever After und, nunja, den echten Schluss. Und ich sage Happily Ever After, aber eigentlich ist dieser Film in keiner Sekunde ein klassisches Prinz-kriegt-seine-Prinzessin-das-Gute-besiegt-das-Böse-Märchen dem nur die modernste Filmtricktechnik eingehaucht wurde. Und genau das macht den Film in meinen Augen so unvorhersehbar gelungen. Er nimmt Märchen auseinander, oder eher die Art, wie Märchen in der Moderne zu einem Traumschloss verarbeitet wurden. Und das alles, ohne so wild um sich zu hauen, dass am Ende nicht doch eine aufbauende Quintessenz übrig bleibt und auch nicht ohne anzuerkennen, welchen Zweck Märchen in der mündlichen Übertragung von Generation zu Generation erfüllten.

INTO THE WOODS

Im ersten Teil nimmt sich der Film die Märchenadaptionen zum Opfer. Eine Melange zahlreicher bekannter Figuren, deren Schicksal in ein und das selbe Universum verlagert und verkettet wird. Die Helden der Stunde…gibt es kaum. Heldinnen sind angesagt. Für mich allen voran Rotkäppchen, die mit Cleverness, Traute und einer für dieses Alter und diesen Körper unfassbaren Stimme und Präsenz gleich mal im Prolog klar macht, wer hier das Sagen hat. Und daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass sie – dem Vorbild getreu – im Wolfsmagen landet. Auch toll: Die Runaway soon-to-be Bride Cinderella, die in ihrer Unentschlossenheit (oder ist es ein schlechtes Bauchgefühl?) auch am dritten Abend vor den Avancen des Prince Charming flieht und dessen Trick, der sie daran hindern soll, gekonnt für ihre Zwecke benutzt. Aber was man nicht oft genug betonen kann: Die Märchenprinzen werden hier als das gezeigt, was sie wohl sind. Chauvinistische Divas mit luftleerem Raum im Köpfchen. Vor allem Chris Pine gibt diese …Charakterzüge aufs Göttlichste und allein für das Agony-Duett der beiden Prinzenbrüder lohnt sich die Eintrittskarte. Denn wie Prince Charming so schönt resümiert: „I was raised to be charming, not sincere.“ Nichtsdestotrotz finden sie am Ende doch irgendwie alle aufs märchenhafteste zu ihrem Glück und „everyone who deserved it lived happily ever after“. Aber: Wer deserved das denn? Und wer bestimmt darüber?

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Darum kümmert sich dann der Schluss bei dem ich innerlich wie mittlerweile so oft dachte: Das da eben wäre doch ein guter Schluss gewesen..warum?! Aber gut, dass ich vorher nicht gefragt wurde. Denn was bis hierher Jux und Dollerei war, wird nun Ernst. Gut und Böse wollen definiert werden. Aussagen der Märchen wollen ernsthafter hinterfragt werden. Und was wäre die ganze Chose eigentlich ohne die gute (haha) alte Hexe, um die sich am Ende eh keiner mehr schert? Positives Momentum daran: Offenheit, Unbefangenheit, Vergebung,  Gemeinschaftlichkeit. Warnendes Momentum daran: Wie auch damals bei der mündlichen Überlieferung von Märchen lernen Menschen heute vor allem daraus, was ihnen der Rest der Menschheit als Leitplanken und Sehhilfen so mitgibt. Also:

Careful the spell you cast, not just on children. Sometimes the spell may last past what you can see, and turn against you. Careful the tale you tell, that is the spell. Children will listen…

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