#Zeitgeist + Das Verschwinden der Eleanor Rigby (Men, Women And Children + The Disappearance of Eleanor Rigby)

In den letzten zwei Tagen war ich zwei Mal im Kino und habe zwei Filme gesehen, die zwischenmenschliches Scheitern behandeln. Genau meine Kragenweite. Das Thema, nicht beide Filme.

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Fangen wir mit „Zeitgeist“ an, der mich nach einem Jahr mal wieder in mein Paderborner Stammkino geführt hat. Zur Wahl standen dieses Werk des Regisseurs von JunoLabordayThankyouforsmoking und „Das Salz der Erde“ von Wim Wenders. Da fiel die Entscheidung für „Zeitgeist“ nicht nur leicht, weil das Plakat so schön war.

Viele nette Darstellerinnen und Darsteller. Eine nette Idee. Schließlich bedeutet die Suche nach der richtigen visuellen Einbindung der modernen virtuellen Kommunikation unter anderem auch, dass mein Studiengang nicht gänzlich unter den beleuchteten Scheffellöffel der leistungsorientierten Ingenieursfetischisten fällt. Alles in allem geht es hier nicht vordergründig um zwischenmenschliches Scheitern. Sondern um die Generation Smartphone/Internet und wie diese kommuniziert und dabei scheitert und krank wird. Die visuelle Umsetzung war da noch das Highlight. Wobei sie letztendlich schon aus Serien wie „Sherlock“ oder „Faking It“ hinlänglich bekannt ist. Und ich sage ja nicht, dass die in den Episoden abgehandelten Probleme – Auseinandergelebtes Ehepaar sucht im Netz Affären // Sohn hat so viele Pornos gesehen, dass reale Sexualität ihn kalt lässt // Footballstar zweifelt an der Welt und flüchtet sich in Online-Rollenspiele // Mutter erstickt Tochter mit der totalen Internetkontrolle // Andere Mutter verkauft sexualisierte Fotos ihrer Tochter in der Hoffnung, sie damit berühmt zu machen // Mädel sucht sich in einschlägigen Foren Unterstützung um durch Magerwahn ihren Arschlochschwarm an Land zu ziehen – nicht realistisch sind. Und dennoch hab ich mich permanent nur aufgeregt über diese volle Packung Dämlichkeit, die durch die Astrid Lindgrenesque Erzählerin mit literarischer Wortwahl noch den emotionslosen Todesstoß verpasst bekommt. Wie kann ein Film gleichzeitig so hysterisch und lieblos sein? Belanglose Verarbeitung eines alles andere als belanglosen Themas. Da lob ich mir nochmals „10.000 km“, den ich beim Oldenburger Filmfest gesehen und hier schon besprochen habe.

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Viel schöner war da vorhin „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“, der aus zwei gedrehten Filmen (einer erzählt aus ihrer Sicht, der andere aus seiner) zusammengeschnitten wurde. Die anderen beiden Filme werden wohl auch noch veröffentlicht. Hier geht es um das Scheitern einer Ehe. Wobei wir nicht ausführlich vorgekaut bekommen, wann und wie es denn nun schief gelaufen ist. Wir kriegen ein paar Rückblicke und vage Andeutungen. Den Rest vollbringt der Status Quo einer Frau, die über Nacht aus dem Leben ihres Mannes verschwindet und das Springen dieses Mannes zwischen Akzeptanz und Kampf. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das Verhalten der beide ganz schön hart und konsequent. Den zerstörerischsten Teil bekommen wir ja nicht zu sehen. Wir gucken nur zu und versuchen zu verstehen und warten vielleicht noch auf ein Happy End oder so. Warum hab ich den Film also als so emotional anrührend empfunden? Vielleicht weil ich scheiternde Menschen mag. Oder weil die Charaktere warmherzig waren. Trotz allem. Ah, look at all the lonely people. Where do they all come from?

Und vielleicht auch, weil der Soundtrack zum Niederknien ist.

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