Mockingjay – Part 1

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Are you kidding me?“, so ungefähr lautete der Ausruf einer Besucherin beim Ende von Mockingjay Teil 1. Und prompt stell ich mir vor, wie es wohl wäre, die Filme zu sehen, ohne vorher die Bücher gelesen zu haben.

Ich hab den Film mittlerweile zweimal geschaut, Original und Synchro. Und er hat mich nicht enttäuscht. Trotzdem bin ich beim ersten Mal mit einigermaßen gedämpfter Euphorie aus dem Saal gegangen. Etwas, das sich beim zweiten Mal weitestgehend erledigt hat. Es gab in den Panem-Verfilmungen immer schon Kleinigkeiten, die mich (und soweit ich das mitbekommen habe auch andere) raus gerissen haben, unangenehm aufgefallen sind. Die sehr plötzlich und eruptiv erscheinenden Gefühlsextreme von Katniss zum Beispiel. Aber so etwas habe ich quasi per swipe-Funktion aus meiner Bewertung gewischt, weil die Umsetzung ansonsten einfach zu perfekt, buchnah, authentisch, ehrlich, bodenständig, vernünftig, sympathisch war. Selbst auffällige Änderungen waren in ihrer adaptiven Funktion von Buchstaben zu Bildern ganz nüchtern nachvollziehbar. Letzteres empfand ich diesmal anders. Ein Charakter der im Buch keine Rolle mehr spielt taucht auf und der Film macht keinen Hehl daraus, dass dies aus Gründen des Comic Relief geschieht. Man kann natürlich mit einem Lächeln darüber hinweggehen. Auch darüber, dass eine im Buch letztendlich relativ entspannt verlaufende Situation im Film zu einer Titanic-Untergangs-Action-Sequenz hochgeputscht wird, für die man durchaus eine Strobo-Warnung in Betracht ziehen könnte. Aber hey, wenn man sich die Action des Buches für einen zweiten Teil aufspart, muss sie im ersten Teil ja irgendwo anders herkommen.

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Aber die Änderungen haben auch positive Seiten. Zu den stärksten Szenen des Films gehören jene, in denen uns die Aufstände in den anderen Distrikten gezeigt werden. Etwas, das der Erzählstil der Romane nicht hergibt wird hier zu einem filmischen Werkzeug, das voll ins Schwarze trifft und nochmal klar macht, wie unabwegig der Kern der Thematik ist. Und auch an anderen Stellen setzt der Film Kniffe ein, die Worte nicht ausdrücken können, die nur auf der Bildebene funktionieren und da umso stärker. Das alles sind Eindrücke, die mich so langsam aus der Falle ziehen, in die ich getappt bin, obwohl ich sie vorher gesehen habe. Im letzten Teil geht es halt nicht mehr um die Spiele. Beziehungsweise geht es einfach um eine andere Form von Spielen, aber das taucht erst im zweiten Teil auf. Und eigentlich steh ich ja gerade darauf, dass es verkopfter und philosophischer wird und keine Spiele mehr als metaphorische Ebene zwischen Aussage und Publikum stehen. Und eigentlich hatte ich geglaubt, deswegen nicht zwischendurch eine gewisse Länge zu spüren. War aber so. Beim ersten Mal zumindest. Fazit: Der Film wächst mir wegen immer mehr Kleinigkeiten ans Herz. Und die Geschichte lieb ich ja sowieso.


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