Phoenix

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Folgendes ist ein Re-Post meiner Kritik auf letterboxd.com:

Mein Blick auf Phoenix mag davon geprägt sein, dass ich von Petzolds Filmen zuvor nur Yella kannte und dieser jedoch einen umso nachhaltigeren Eindruck bei mir hinterlassen hat. Phoenix trägt definitiv die typische Handschrift des Duos Petzold/Farocki. (Und es wird leider die letzte Zusammenarbeit der beiden bleiben.) Ein Film, der vor Symbolik nur so trieft. Der Einstieg gestaltete sich dennoch schwierig. Eine Gesichts-OP wirkt als Aufhänger für die metaphorische Verarbeitung des Holocaust befremdlich. Dies wird zusätzlich noch durch die phasenweise auffällig am Film Noir orientierte Bildästhetik verstärkt. Es fällt schwer, sich fallen zu lassen und die Figuren und Schauplätze als solche zu akzeptieren und nicht pausenlos zu denken: Das da ist ein Filmset, auf dem gerade geschauspielert wird. Das da ist nicht echt.

PHOENIX  2013

Im Verlauf des Films hat mich aber – wie zuvor bei Yella – „das, um was es da eigentlich geht“ gefesselt und zum Nachdenken gebracht. Weniger die titelgebende Metaphorik des Phönix, der Wiedergeburt, Neu-Erfindung…Jedenfalls nicht auf die Weise, wie es in den Kritiken der anderen Nutzer hier deutlich wird. Und vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass mich der Ausgangspunkt der Gesichts-OP eher aus der empathischen Bahn geworfen hat. Wie jb_86 in seiner/ihrer Kritik schreibt: „As such, as a quasi-Vertigo in the early weeks after the end of WW2, it works much better than it does as a parable for guilt and forgiveness.“ Aber gerade als Letzteres habe ich Phoenix betrachtet. Und damit einhergehend als Aufarbeitung des Schweigens und Vergessens (was auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich mich in den letzten Monaten genau im Hinblick darauf intensiver mit dem Holocaust beschäftigt habe). Und obwohl es unfassbar viele Anhaltspunkte gibt, Phoenix auch als solche zu lesen, wird einem diese Option durch das Ende verwehrt. Das macht Phoenix nicht zu einem schlechteren Film. Und das macht gerade das Ende nicht zu einer weniger berührenden, packenden und souverän dargebotenen Szene. (An dieser Stelle ein besonderes Chapeau für Nellys und Johnnys Gespräch über eine mögliche Antwort auf Fragen nach den Erlebnissen im Lager.) Es bleibt mir bei dem Ganzen nur das ganz persönliche Gefühl erhalten, dass entscheidende Impulse der Narration und Geschichtsschreibung aufgebaut und anschließend fallen gelassen wurden.

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