International Oldenburg Film Festival -Part 5

Heute beginne ich mal harmlos. Harmlos nicht im Sinne des harmlosesten Films, sondern der harmlosesten Meinung. Der Film ist alles andere als das.

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Man darf sich nicht von diesem Foto täuschen lassen. Bag Boy, Lover Boy ist krass. Ein Film, der – anders als Bad City – zu keiner anderen Zeit als der der Midnight Movies laufen darf. Aus gutem Grund. Der werte Herr dort ist der Hot-Dog-Verkäufer Albert aus New York, der sich in eine Kundin verliebt, die sich mit einem Fotografen verabredet. Wie passend, dass eines Nachts ein Fotograf wiederum Albert zum Zentrum seiner Kunst machen möchte. Albert ist langsam bis mental benachteiligt und lässt sich vom Versprechen, ihn zu einem Fotografen zu machen (ergo: Eine Chance bei seinem Schwarm zu haben), dazu überreden, das Freak-Modell in den auf negative Weise abgefahrenen Fetisch-Fotoshoots zu sein, an deren Ende stets das Stülpen von schwarzen Plastikmüllsäcken über die Köpfe der weiblichen, großbrüstigen Gespielinnen steht. Ihr habt jetzt schon genug gehört? Jetzt geht’s erst richtig los! Der echte Fotograf riecht mit Albert als seiner Muse die große Kohle und jettet nach Italien, während Albert an die Schlüssel für dessen Fotostudioloft gelangt und seine eigene große Chance wittert. Er kriegt die verschiedensten Frauen auf verschiedenste Art und Weise dazu, ihm ins Fotostudio zu folgen. Und diese Frauen finden dann so ganz nebenbei „für die Kunst“ auf verschiedenste Art und Weise ihr äußerst blutiges Ende. Wirklich, wirklich abgrundtief gory und abartig und schlafraubend….hätte ich nicht wegen eines anderen Films eh schon ne schlaflose Nacht vor mir gehabt (aber dazu in Teil 6 von 6).

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Dennoch gehört dieses Bild zu dem Film des Festivals, über den ich mich uneinholbar am meisten aufgeregt habe. Eva Green war da noch das einzig Positive, was ich ihm abgewinnen könnte. White Bird in a Blizzard ist ein Film, der so langsam, klischeehaft und vorhersehbar arbeitet, wie ich es selten erlebt habe. Ich konnte quasi den Drehbuchautoren vor meinem inneren Auge dabei zusehen, wie sie in der Romanvorlage die Passagen unterstreichen und in ihr Buch packen, die ihnen gefallen. So. Lang.Sam. Als sei parallel zum Filmen das Drehbuch per Vorlesen aus dem Roman gezimmert worden. Ich meine, sollte das ein Lehrfilm dafür sein, wie man keine Filme macht, oder warum konnte man in Ruhe vorwegnehmen und mitverfolgen, wie nach und nach die verschiedenen Szenarien und möglichen Auflösungen, die ein 5-jähriger mit den Sehgewohnheiten des Disney-Channels aufdecken könnte, bearbeitet und abgehakt wurden? Fein säuberlich wie die Buchhaltung eines Mittelstandsunternehmens: Richtigkeit, Klarheit, Vollständigkeit. Und dann gabs da noch so ein paar moralische Messages, die ich äußerst bedenklich finde. Dazu aber lieber nichts, damit ich euch nicht spoilere. lol.

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Apropos bedenkliche Messages. Miss Meadows mit Katie Holmes. „Pulp Fiction Mary Poppins“ ist ein anderer Name, der dieser Figur im Film verpasst wird. Ist anhand des Bildes da oben auch wohl nachvollziehbar. Miss Meadows ist eine Doris Day der Gegenwart. Viel zu sauber. Viel zu höflich. Viel zu geheimnisvoll. Man kriegt nach und nach mit, warum sie die Ritterin der Gerechtigkeit spielt und die bösen Männer nach und nach zur Strecke bringt. Sehr viel schneller jedenfalls, als es ihr Verehrer, natürlich Polizist, tut. Was ich dem Film zu Gute halten muss: Ein gewisser Twist blieb mir bis zur Auflösung gegen Ende verborgen. Und die Kombination aus buntem Märchen und aufblubbernder Gewalt hat ihren Reiz. Was überhaupt nicht geht: Dieser Film ist ein Plädoyer für Selbstjustiz und das Misstrauen in die staatliche Gewalt. Wohlgemerkt die staatliche Gewalt in Form von Polizei, Justiz etc. Und ja, nicht zuletzt Ferguson macht klar, dass man dieser nicht überall auf der Welt (und überhaupt blind) vertrauen darf. Aber Selbstjustiz als Ultima Ratio? Nicht mit mir!

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Dieser Film war so lustig. Anders als sämtliche Leute, mit denen ich über diesen Film gesprochen habe, bereue ich nicht, ihn gesehen zu haben. Wenn euch Horrorfilme zu gruselig sind, ihr aber trotzdem einen sehen wollt: A Cry from Within sollte der Film eurer Wahl sein. Schlechte schauspielerische Leistungen, eine klassische (ergo: nicht wirklich überraschende) Story und eine so schlechte handwerkliche Umsetzung, dass man für den Kinobesuch bezahlt werden sollte. Ich habe Tränen gelacht und mit mir der Rest des Kinosaals. Und ich wusste: Dieser Film kann nicht ernst gemeint sein. Niemand würde sich trauen, einen Film, in dem klar ersichtlich (und erhörbar) ist, mit wie vielen verschiedenen Kameras und Einstellungen gearbeitet wurde, weil bei jedem Schnitt Bild- und Tonqualität unterschiedlich (schlecht) sind, einen fertigen Film zu nennen. Und kein Festival würde so etwas zeigen, wäre es keine Ironie. Dieser Gedanke hat mich glückselig durch diesen Film (und die Unterhaltungen im Anschluss) getragen. Bis ich von mehreren Leuten hörte, was sich in diesem Interview bestätigte: (Anmerkung vorweg. Der Film hat den Alternativtitel Sebastien)

Filmmaker: What was the inspiration for the screenplay of Sebastien?

Twiss:  The story of the film was actually inspired by a series of hauntings we experienced as a family in the brownstone we used to live in in Cobble Hill, Brooklyn. When my daughter was only 1 1/2, she would suddenly freak out and begin trembling and keep her eyes closed, terrified to speak. After, she would say, “It’s the bad boy mommy. He hits me.” When she was 2 she was bitten by my brother’s dog, a totally sweet, amazing, docile dog who never had bitten anyone before. My son, who was 3 1/2, told us that the “Bad Boy made the dog bite.” Horrifying. A few days later I had a dream, a nightmare, about who this was and why it was happening. That nightmare is the basic plot of the film.

Eine Inspiration aus ihrem Leben. Eine Inspiration, die sie dann als Regisseurin/Drehbuchautorin/Produzentin/Hauptdarstellerin umgesetzt hat und für die sie ihre Tochter besetzt hat, die auch beim Festival war und den Film geguckt hat. Keine Ironie. Nur ein Klischee von total durchgeknallten Amerikanern. Schade.

 

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