International Oldenburg Film Festival – Part 3

Oooooldenburger Filmfest Teil 3 von 6. Heute wird es ausgezeichnet!

hany

Hany wurde vom Publikum als bester Film (aus der Independent Reihe) prämiert. Nicht meine Wahl, aber versuchen wir mal zu erarbeiten, woran das liegen könnte. Versteht mich nicht falsch, ich fand den Film nicht schlecht (die Filme folgen in Teil 5 von 6, aber nicht nur schlechte). Aber ich war jetzt auch nicht absolut begeistert (der Film folgt in Teil 6 von 6). Angeblich in einem Take gedreht, folgen wir einer Gruppe von Leuten durch eine Nacht in Pilsen. Der Film entstand in drei Nächten, enthält drei Schnitte (psssst!) und soll, so die Filmemacher, widerspiegeln…was war das noch gleich? … Also, der eine männliche Charakter ist eher verantwortungslos und frei, der andere männliche Charakter ist der einzige, der Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Und manchmal ist die einzige Alternative, mal ne Nacht drauf zu machen und zerstörerisch zu sein, und das muss nicht gleich etwas schlimmes bedeuten…?! So in etwa. Ich meine verstanden zu haben, dass die Frage aufgeworfen wird, wo die Grenze zwischen moralischem Darüberstehen und Taten liegt. Quasi: Wie lange reicht es, mit Argumenten auf ein doch so logisch erscheinendes Ziel hinzuarbeiten, indem man in seinem Verhalten ein Vorbild ist? Bis wohin kann man damit zufrieden sein, als sein eigenes Selbst tagtäglich einen minimalen Anteil am Versuch zu haben, die Welt etwas besser zu machen? Und wann ist der Punkt gekommen, sich zusammen zu tun und …striktere Maßnahmen zu ergreifen? Wie gesagt, ich habe erspürt, dass es darum gehen soll. Und die Worte der Filmemacher haben mich in etwa darin bestätigt. Nur das auf der Leinwand hat das nicht in Gänze so hergegeben. Wie ein wissenschaftlicher Schmöker, den man nur ansatzweise begreift, weil man nicht in bestimmte Wortbedeutungen eingeweiht ist, auf die sich andere geeinigt haben. Wie der Regisseur vorab in etwa sagte: „Der Film polarisiert. Bisher haben alle gesagt, ‚Mehr davon!‘ oder ‚Macht bitte nie mehr Filme!'“…. ich bin unentschlossen. Das übrige Publikum anscheinend nicht. Wohl, weil der Dreh in drei halbstündigen Kamerafahrten bei einem extrem dialoglastigen Film tatsächlich beeindruckend ist und nicht viele Filme so etwas machen (und der Mainstreamcineast so etwas nicht ohne eigenes Zutun vorgesetzt bekommt). Wohl, weil die beiden Filmemacher durchaus charmante, lustige, junge Kerle waren, die über die Eskapaden und Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten geplaudert haben. Kurz: Es ging bei der Wahl wohl mehr um Äußerlichkeiten als um Inhalte. „The medium is the message“ (McLuhan).

bad city

Bad City hätte ich gerne zu einer anderen Uhrzeit als Samstags um 23:45 Uhr gesehen. Wobei, irgendwie war es auch eine gute Uhrzeit (obwohl dieser Film nicht so unbedingt in die Midnight-Reihe gehört hätte wie der, den ich am Abend zuvor gesehen habe. Aber dazu mehr in Teil 5 von 6) und ich war nur einfach zu müde, um lachen zu können. Und dieser Film gibt einem viel zu lachen. Es ist ein alberner Film. Eine Persiflage auf die Blaxploitation-Filme der 70er, die Gag auf Gag aneinander reiht. Insofern ist eine Müdigkeitsalbernheit vielleicht gar nicht so schlecht. Die Mischung hätte es wohl gemacht. Mit diesem Film haben wir endlich erfahren, wo Mr. Canadia mitmischt. Mr. Canadia ist der Herr im blauen Poloshirt da ganz hinten und er ist uns unter den ganzen Film-VIP-Gästen als erster aufgefallen, weil er so viele Fragen stellte, und das in einem amerikanischen (kanadischen) Akzent, der im Vergleich zu den Englischversuchen von Publikum (und Q&A-Moderatoren) angenehm war. Allgemein hat sich da bald eine Gang an VIPs herauskristallisiert, der man in so gut wie jedem Film begegnet ist. Das Oldenburger Filmfest ist doch eben (eine in diesem Fall als positiv zu betrachtende) Provinzangelegenheit.

knife

Sonntags wurde dieser Film aber tatsächlich noch in seiner Albernheit überboten. I am a Knife with Legs, ein Film im Home-Movie-Stil, der von einem französischen Popstar in L.A. erzählt, der sich vor einer/einem auf ihn ausgesprochenen Fatwa verschanzt, dabei über den Tod seiner Freundin hinwegkommt und zwischendurch trashige Lieder in noch trashigeren Musikvideos zum Besten gibt. Wobei die Textinhalte zum Ende hin überraschend ernsthaft in ihrer Message wurden (worauf der Regisseur/Hauptdarsteller auch großen Wert legte). Er ist dann auch am Schluss des Q&As noch als Bené aufgetreten und hat für uns gesungen. Dieser Film persifliert nicht und stützt sich deswegen nicht so sehr auf liebgewonnene (und teilweise ausgelutschte) Klischees. Dieser stumpfe Humor kommt komplett aus dem Hirn des abgebildeten Mannes, der als Bené quasi alle Fragen stellt, die man sich als halbwegs intelligenter Mensch nicht trauen würde laut zu äußern. Der so abwegige Gedankengänge hat, dass man sich fragt, wie er es tagtäglich aus dem und wieder in das Bett schafft. Wir alle an unserem besten, beschwipsten Abend mit guten Freunden in ausschweifenden Unterhaltungen. Bloß in nüchtern und schon wieder so abgedreht dass es unheimlich kreativ und intelligent ist. Und ein guter Soundtrack!

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